Frettchenzimmer

Louie wird kastriert

Im Dezember 2024 zeichneten sich die ersten Anzeichen ab, dass Louie langsam flügge wird. Er markierte sein Revier durch Absetzen von Urin oder Duftspuren. Und glaub mir, beides ist nicht schön. Meist landete dann also eine Hinterlassenschaft vor der Tür, was doppelt so schön ist, wenn die Tür zum Zimmer vorher rangeschubst wurde und nach innen aufgeht. Und das Analdrüsensekret riecht bei unkastrierten Tieren gefühlt noch schlimmer, als bei kastrierten und schlägt wahrscheinlich jedes Stinktier in die Flucht. Mit der Zeit hat Louie natürlich auch versucht, seinen Trieb an den anderen zu befriedigen. Spätestens jetzt sollte also gehandelt werden, denn sowas führt auch zu Unruhe und Spannungen in der ganzen Gruppe. Hätten wir mehr als einen Rüden im geschlechtsreifen Alter hier gehabt, hätten wir besonders aufpassen müssen. Denn beide hätten dann natürlich das Revier für sich beanspruchen wollen. Aus den besten Freunden wären vielleicht erbitterte Rivalen geworden, was in Zank und Kämpfen mit Verletzungen geendet hätte.

Anfang 2025 habe ich also einen Termin zur Voruntersuchung von Louies bevorstehender Kastration gemacht. Neben der allgemeinen Untersuchung wird auch geprüft, ob wirklich beide Hoden nach unten gewandert sind und einer unkomplizierten Kastration nichts im Wege steht. Seine Entwicklung war altersgerecht, idealerweise sollte ein Frettchen bei der Kastration nicht wesentlich jünger als zehn Monate, also ausgewachsen sein. Anders als bei Hunden oder Katzen sollten Frettchen auf keinen Fall nüchtern zum OP-Termin erscheinen. Durch ihren kurzen Verdauungstrakt müssen sie ca. alle 3-4 Stunden Nahrung zu sich nehmen, sonst droht eine Unterzuckerung, daher schicke ich bei einer OP dem Frettchen immer etwas Fleischbrei mit, damit das Tier gleich bestens versorgt ist. Ein frettchenkundiger Tierarzt muss das wissen – oder zumindest sollte der Tierarzt so aufgeschlossen und bereit sein, sich weiterzubilden, wenn er auch nur ein Frettchen als Patient hat. Einmal bin ich an einen Tierarzt geraten, der mit erzählen wollte, mein Frettchen soll nüchtern sein. Ich habe natürlich gegenargumentiert, wurde aber trotzdem gebeten den Rat der “Fachfrau” zu beherzigen. Dieser Tierarzt hat uns natürlich nie wieder gesehen.

Am Tag von Louies Kastration brachte ich ihn also früh in die Praxis. Natürlich wurde er dort nochmals gecheckt, bevor es richtig los geht. Sowie Louie aus der Narkose wieder aufgewacht war, rief mich der Tierarzt an, gab ein kurzes Feedback zur OP und vereinbarte einen Zeitpunkt zur Abholung. Nach meinen Erfahrungen würde ein guter Tierarzt nie zu Dir sagen “Er wacht gerade auf, Sie können ihn holen”. Ein guter Tierarzt überwacht auch noch die erste Zeit nach der OP um auch wirklich sicherzugehen, dass das Tier alles gut überstanden hat – auch nach einem Routineeingriff. Zur Abholung sollte der Patient schon wieder komplett wach und aufmerksam sein. Bei uns lief natürlich alles ohne Probleme und nach einem weiteren, persönlichen Gespräch konnte ich Louie mit nach Hause nehmen.

Louie mit Nebula und Balou kurz nach der OP

Zur Nach- aber auch zur Vorsorge musste Louie für ein paar Tage einen Schmerz- und Entzündungshemmer nehmen. Frettchen sind zum Glück meist sehr diszipliniert. Sie lassen die Wunde in Ruhe, sodass alles schön verheilen kann. Anfangs haben wir nach einer OP das entsprechende Tier erstmal vom Rudel getrennt, damit es sich in Ruhe erholen konnte. Aber wir haben festgestellt, dass die Tiere das eigentlich gar nicht wollten. Sie wollten zurück zu ihren Freunden, in ihrer Nähe sein. Denn auch die anderen verstehen meist, dass ihr Familienmitglied gerade Ruhe brauch und kuscheln sich eher dazu um dem Patient beizustehen. Klar sollte man das aber auch immer von der Art des Eingriffs und vom Frettchen selbst abhängig machen. Jedes Tier ist nunmal anders und wer kennt seinen Vierbeiner nicht besser als Du selbst. In der Regel werden auch bei Tieren selbstauflösende Fäden verwendet. Eine Nachsorgetermin beim Arzt ist trotzdem immer empfehlenswert. Übrigens, sollte die rasierte Haut auf einmal dunkler erscheinen, besteht kein Grund zur Panik. Hier wächst einfach das Fell nach. Bereits kurz nach dem Eingriff besserten sich Louies Symptome der Ranz Schritt für Schritt. Der Hormonhaushalt pegelte sich wieder auf Normalzustand ein, der Geruch nahm ab, das Paarungsinteresse sank. Solltest Du aber noch unkastrierte Fähen zuhause haben, ist trotzdem Vorsicht geboten. Denn die Rüden können trotz Kastration noch einige Wochen zeugungsfähig sein.

2021: Jean und Raven einige Zeit nach ihrer OP mit Logan und Rocket

Schon kurz nach seinem Eingriff hat Louie wieder mit seinen Freunden gespielt und getobt und Chaos in der Wohnung verbreitet. Vor allem morgens steigt bei uns immer eine ordentliche Frettchenparty. Während ich das Frühstück für die Bande mache, werden Flur und Küche unsicher gemacht. Wie ein Morgen bei uns so abläuft, verrate ich Dir dann beim nächsten Mal…

Anmerkung: Im unteren Bild siehst du Jean und Raven 2021 einige Zeit nach ihrer Kastration, zusammen mit Logan und Rocket <3