Frettchenzimmer

Elfi büchst aus

Wenn Du selbst Katzenbesitzer bist, hast du bestimmt schon von ihr gehört: der Dreier-Regel. Es handelt sich dabei um die drei Phasen, die eine Katze durchläuft, wenn sie in ein neues Zuhause zieht: Drei Tage, um den Umzug zu verarbeiten und sich mit ihrer neuen Umgebung vertraut zu machen (Ankommphase). Nicht selten sind die Tiere da noch scheu und gestresst, fressen wenig oder erkunden ihr neues Revier erst heimlich, wenn alles schläft. Drei Wochen, in denen die Katze langsam auftaut, langsam Vertrauen zu ihren neuen Menschen fasst und sich an ihren neuen Alltag gewöhnt (Eingewöhnungsphase). Und drei Monate, bis die Katze endgültig angekommen ist und eine feste Bindung zu ihren Zweibeinern aufgebaut hat (Bindungsphase).

Bei Elfi haben wir die Phasen irgendwie übersprungen. Das Futter hat ihr sofort geschmeckt. Ihr Katzenklo hat sie auf Anhieb gefunden (und auch als solches benutzt). Es hat sie nicht mal gestört, dass wir den Standort der Toilette nach ein paar Tagen verändert haben (solltest auch Du Dir eine Katze anschaffen wollen, ist ein Klo in der Nähe vom Esstisch keine gute Idee, so ideal der Platz ansonsten auch sein mag…). Von ihrem tollen, neuen Kuschelbettchen wollte sie nichts wissen, stattdessen hat Elfi sich direkt auf der Couch zwischen, oder gar auf uns gelegt. Schon ihre erste Nacht hat sie bei uns im Bett verbracht. Jaaa, ich weiß, hier gehen die Meinungen auseinander. Eigentlich war mein Mann anfangs davon auch nicht ganz begeistert. Wir haben ihr dann das Kuschelbett sogar extra ans Bettende gelegt, aber keine Chance, sie wollte es nicht (die Frettchen haben sich darüber sehr gefreut). Da Elfi aber auf meiner Seite des Bettes lag, hat mein Mann “sein OK” gegeben. Und wenig später hat er sich dann selbst gefreut, wenn sie sich mit zu uns Schlafen gelegt hat, egal wo.

Noch nicht mal eine Woche war sie bei uns und wir konnten uns nicht vorstellen, wie es vorher ohne sie war. Tagsüber saß Elfi oft am Fenster und beobachtete ihr Umfeld. Aber mit dem Freigang sollte man, so riet man uns im Tierheim, dennoch vier, besser sechs Wochen nach dem Einzug warten. Das war auch eigentlich unser Plan. Bis innerhalb der ersten Woche auf den tollsten Tag, auch schon der schlimmste Tag in unserer Zeit als Katzeneltern folgte…

Wir standen zu unserer gewohnten Zeit auf, aber Elfi war nicht im Bett und auch nicht im Rest der Wohnung zu finden. Irgendwann bemerkte mein Mann, dass die Haustür offen war. Es ist eine alte Haustür, die manchmal schwer schließt, wahrscheinlich hatte sie am Abend jemand nicht richtig zu gemacht. Wir rannten raus, tatsächlich war Elfi draußen, zum Glück nicht weit weg im eigenen Garten. Aber dann begangen wir einen fatalen Fehler. Unwissend wie wir waren versuchten wir sie von zwei Seiten einzukesseln und so zu fangen. Elfi war verunsichert. Dann ein Geräusch und Elfi rannte weg. Erst quer über das Nachbarsgrundstück, dann war sie verschwunden. Zu allem Übel kam noch der Nachbar ein paar Häußer weiter, der dachte, er müsse an diesem Donnerstag (es war Fronleichnam, in Bayern ein Feiertag) schon früh halb 10 eine Party schmeißen.

Der ganze Tag war nun im Eimer. Unsere Haustür stand daueroffen, in der Hoffnung, dass Elfi wieder kommt. Immer und immer wieder gingen wir abwechselnd Runden durch die Nachbarschaft, riefen nach ihr und schüttelten mit der Leckerlitüte – ohne Erfolg. Alle Nachbarn, die ich auf meinen Runden traf, fragte ich nach ihr und ob ich mich mal auf ihrem Grundstück umsehen dürfte. Ich setzte sogar in die Onlinegruppe der Gemeinde einen Beitrag, immerhin wussten wir nicht, wie Elfi sich verhält, sie war ja noch nicht mal eine Woche bei uns. Je später es wurde, desto hoffnungsloser wurden wir. Wir zogen immer wieder durch unser Wohngebiet, jetzt auch mit Heimwärtsschleppe (man zieht getragene Kleidung oder ein Spielzeug auf dem Boden hinter sich her, um so eine Duftspur für die entlaufene Katze zurück nach Hause zu legen). Ich legte auch eine Leckerlispur von der Haustür bis in den Flur. Das hat zwar funktioniert, nur war es nicht Elfi, sondern die Nachbarskatze, die plötzlich bei uns saß.

Es dämmerte bereits, da meldete sich eine Frau in der Gruppe, die meinte, sie hätte Elfi gerade in ihrem Garten gesehen. Wir gingen dorthin, auch wenn es unserer Meinung nach viel zu weit weg von unserem Grundstück erschien. Tatsächlich saß bei der Dame eine Katze, die unserer Elfi sehr ähnlich sah. Aber sie war es nicht. Schon wieder falscher Alarm. Dass Elfi wieder auftaucht, schien immer hoffnungsloser zu werden.

Nun war es schon fast Mitternacht. Morgen wollten wir das Tierheim anrufen und Elfi als vermisst melden. Tolle Katzeneltern waren wir. Und da passierte es: Mein Mann war in der Küche, ich im Wohnzimmer und gerade auf dem Weg ins Bett. Da sah ich sie. Ich traute meinen Augen nicht! Da saß Elfi auf einmal auf dem Absatz unter unserer Treppe, genau gegenüber der Haustür. Ich rief meinen Mann. Der kam sofort, ging ins Wohnzimmer, dort zur Terrassentür hinaus. Während ich vorsichtig auf Elfi einredete zog er die Haustür von außen zu und kam zur Terrasse wieder rein. Wir konnten es immer noch nicht fassen. Elfi war wieder da!

Etwas verängstigt kam sie vorsichtig unter der Treppe hervor, schlich erstmal an uns vorbei und holte sich einen Happen zu essen. Was für ein Tag… Am liebsten hätten wir sie vor Freude erdrückt, aber wir haben ihr erstmal etwas Raum gelassen – es war immerhin auch ein langer Tag für sie. Und wo war Elfi nun? Ich habe eine Vermutung und denke, sie war gar nicht weit weg. Als ich vormittags auf dem Nachbarsgrundstück nach ihr gesucht habe, war da in einer Ecke auch ein großer Stapel voller Holz, in dessen Richtung sie morgens auch geflüchtet war. Ich habe zwar mehrmals da geschaut, konnte sie aber nicht entdecken. Ich denke trotzdem, dass sie da war. Gut versteckt und geschützt, weil sie der Krach vom anderen Nachbarn, dessen Party bis zum späten Nachmittag ging, dann zusätzlich verschreckt hatte. Das würde auch die vielen Zecken erklären, denn natürlich kam sie nicht alleine wieder. Die ersten blinden Passagiere entdeckte ich schon am nächsten Tag und rief dann auch gleich bei unserem Tierarzt an, um mir erstmal einen Zeckenschutz zu holen. Für die Frettchen haben wir zur Sicherheit auch gleich einen mitgenommen.

Dass Elfi wiederkam obwohl sie erst so kurz bei uns war, war für uns ein Zeichen, dass wir bis jetzt trotzdem alles richtig gemacht hatten. Schon am nächsten Tag war sie wieder fast die Alte. Und irgendwie haben wir so auch zumindest die zweite Phase der Dreierregel ein bisschen übersprungen. Bis zu ihrem ersten, offiziellen Freigang ließen wir uns dann aber entsprechend Zeit. Und wie der lief – das erzähle ich Dir beim nächsten Mal…