Nachdem Elfis erster Freigang ja recht turbulent verlief, sollte ihr erster, offizieller Freigang umso entspannter sein. Und zwar, wie geraten, erst fünf Wochen später. Die Zeit bis dahin war schon eine kleine Herausforderung. Elfi wusste ja jetzt ganz genau, wo es rausgeht. Wenn jetzt einer das Haus verlassen wollte, passten wir besonders auf, dass sie uns nicht doch versehentlich mit durch schlüpft.
Da Elfi ja bis auf einer Ladung Zecken von ihrem unfreiwilligen Freigang unversehrt blieb, holte ich damals ja nur den Zeckenschutz beim Tierarzt ab. Wir sollten sie aber trotzdem erstmal beobachten. Vor ihrem ersten Freigang wollte ich sowieso mal mit ihr zum Tierarzt, sie und ihren Impfpass zur Sicherheit checken lassen. Damals im Tierheim wollte Elfi nicht ganz freiwillig in die Transportbox, ich hatte aber keine großen Probleme, sie da rein zu bekommen. Denn schon kurz nach ihrem Einzug haben wir eine Transportbox im Wohnzimmer deponiert. Manchmal verstecken wir dort ihre Leckerlis und manchmal liegt sie sogar einfach drin und döst. Auch beim Tierarzt war sie ruhig. Nicht entspannt, aber auch nicht verängstigt. Etwas zögerlich ist sie auf dem Behandlungstisch aus ihrer Box gekommen, aber sie hat brav still gehalten und alle Untersuchungen über sich ergehen lassen. Zur Sicherheit hat sie noch eine Tollwutimpfung und eine Wurmkur bekommen. Hinter unserem ersten Besuch beim Doc konnten wir also auch einen Haken machen.

Etwa eine Woche nach der Impfung war es dann soweit: Elfi durfte zum ersten Mal offiziell nach draußen. Es war Wochenende, schönes Wetter und wir hatten beide frei. Gleich nach dem alle ihr Frühstück gefuttert hatten, öffneten wir die Terrassentür und gingen hinaus. Elfi sah uns neugierig hinterher und kam zur Tür. Erst traute sie sich nicht so richtig, ging mit den Vorderpfoten raus und kurz darauf zwei Schritte zurück. Ich setzte mich vor die Tür und nach ein paar Anläufen wagte sie den Schritt ins Freie. Ganz vorsichtig ging sie die ersten Schritte in den Garten und dann immer wieder kurz zurück ins sichere Wohnzimmer. Aber mit jedem Versuch traute sie sich ein paar Meter weiter. Zuerst ging sie in den oberen Garten, von wo aus sie beim ersten Mal ausgebüchst war. Wir blieben immer in ihrer Nähe. Nachdem sie sich oben etwas umgeschaut hatte kam sie wieder rein; wir beendeten den ersten Freigang und ließen ihr etwas Raum, um die ersten Eindrücke zu verarbeiten. Am späten Nachmittag starteten wir dann eine zweite Runde. Diesmal war sie mutiger und erkundete den unteren Garten. Sie schaute immer aufmerksam auf, wenn Autos vorbeifuhren, ging dann in Deckung. Zum Glück wohnen wir in einer eher ruhigeren Gegend und der Verkehr hält sich in Grenzen. Außerdem ist Elfi nicht die einzige Katze und die Fahrer passen zumindest auf. Ein bisschen Schiss hatte ich dann doch, als Elfi über die Straße spazierte und das Nachbarsgrundstück inspizierte. Ich war froh, als sie nach ihrem kurzen Ausflug wieder mit mir zurück zu unserem Haus kam. Allerdings wollte sie nicht gleich rein und mir blieb nichts anderes übrig als sie die letzten Schritte zurück zu tragen.
Nach und nach pendelte sich nun ein fester Rhythmus ein. Jeden Morgen gegen 4:00 Uhr steht sie seitdem maunzend neben meinem Bett und fordert ihre erste Runde Freigang. Zum Frühstück kommt sie dann wieder. Je nach Wetter möchte sie danach nochmal eine Runde stromern oder verbringt die Mittagszeit dösend im Haus. Das hängt dann aber auch immer von unseren Arbeitszeiten ab. Denn uns ist es lieber wenn Elfi nur auf Achse ist, solange zumindest einer von uns Zuhause ist. Da Katzen meist dämmerungsaktiv sind, startet Elfi am späten Nachmittag eine größere Runde. Zwischendurch schaut sie immer wieder auf unserem Grundstück vorbei, bis sie dann abends zwischen zehn und elf zurück kommt. Klar, im Sommer ist die Katze mehr und länger draußen als im Winter. Aber geschlafen wird zuhause, meist am Fußende auf meiner Seite des Bettes. Wir haben hier nicht erst einmal nachts Füchse die Straße entlang umherstreifen sehen, daher würden wir Elfi nie über Nacht draußen lassen.
Elfi ist übrigens eine hervorragende Jägerin. Ihre erste Beute, eine Libelle, hat sie uns brav auf dem Wohnzimmerteppich präsentiert. Möchtest Du noch etwas mehr über die Jägerin Elfi erfahren? Dann sei gespannt auf den nächsten Beitrag…


