Sein erstes Frettchen bekam mein Mann mit 17. Seit 2013 bin auch ich vom Frettchenfieber befallen. Nach so einer langen Zeit denkt man, man hat schon so viel Erfahrungen mit Frettchen gesammelt, sich so viel Wissen über Verhalten, Krankheiten und Ernährung angeeignet, dass man fast allem gewachsen ist… Und dann kam Ulla…
Ich hatte es ja schon erwähnt, bereits bei unserem Adoptionsbesuch in der Frettchenhilfe hat die kleine Hexe versucht, mich zu zwacken. Die ersten zwei Tage bei uns war auch erstmal noch alles in Ordnung. Aber dann habe ich einen Fehler gemacht. Nebula stand an der Gittertür vom Zimmer, an dessen einer Stelle am Boden ein kleiner Spalt war. Vielleicht ein Zentimeter. Und unvorsichtig wie ich war, habe ich meinen Finger darunter durchgeschoben – ein fataler Fehler… Ulla biss zu. Mit ganzer Kraft. Ich spürte, wie sich ihre Zähnchen in mein Fleisch bohrten. Das Problem: Ich hing da buchstäblich fest, konnte nicht über die Tür greifen, um sie zu packen; konnte sie nicht erreichen. Keine Reaktion ihrerseits auf mein lautes “Nein”. Also blieb mir nichts anderes übrig, als die nächste Dummheit zu begehen. Ich versuchte meinen Finger herauszuziehen. Ich wusste/weiß, wegziehen ist nicht gut und verursacht nur eine noch größere Wunde, aber eine andere Chance hatte ich nicht. Zwei tiefe Löcher von ihren Zähnchen blieben zurück. Meine Euphorie der kleinen hübschen Maus gegenüber war nun natürlich erstmal gedämpft.
Kurze Zeit später versuchte sie wieder, mich zu beißen… und wieder… dann auch meinen Mann… Wir kannten so etwas von keinem unserer Tiere vorher und wanden uns an die Frettchenhilfe. Die waren selber etwas überrascht, denn so ein Verhalten hatten auch sie bei ihr nie beobachtet. Natürlich versuchten sie, uns so gut es geht zu unterstützen und zu helfen und wir versuchten alle zusätzlichen Tipps umzusetzen. Als sie dann wieder meinen Mann biss, waren wir schon so verzweifelt und zogen sogar in Betracht, sie zurückzugeben. Dennoch wollte ich nicht aufgeben. Irgendwie hatte ich sie trotz allem in mein Herz geschlossen. Und dann ergab sich die beste Gelegenheit…
Ca. drei Wochen nach dem Einzug der beiden brach ich mir den Finger. Durch Zufall wurde ein Enchondrom als Ursache entdeckt. Eine Erklärung hierzu hat nichts mit Frettchen zu tun, deswegen gehe ich nicht weiter darauf ein. Fest stand allerdings: Nach Heilung des Bruchs musste ich operiert und meine Motorik anschließend mit Hilfe von Krankengymnastik wiederhergestellt werden. Sprich sechs bis acht Wochen zuhause – und diese Zeit nutzte ich!
Nachdem die Nachwehen der OP verdaut waren ging es los. Ich beschäftigte mich soviel wie möglich mit Nebula. Immer reden, auch wenn ich nur am Zimmer vorbeiging. Egal, was ich so vor mich hin brabbelte, wichtig war mir nur, dass sie immer meine Stimme hört. Immer wenn sie schlief, nahm ich sie mir und legte sie auf meinen Schoß, streichelte sie und redete weiter auf sie ein. Ich spielte mit ihr. Mit dem Ball, der Katzenangel. Sie spielte gerne viel und mit allem, aber am liebsten mit dem Ball. Immer, wenn ich ihn warf, versuchte ich, ihn ihr wieder abzunehmen. Und nach ein paar Mal, ließ sie es zu, ohne auf meine Finger zu achten. Eben weil sie wusste, dass ich ihn wieder werfen würde, sie wieder hinterherjagen und noch mehr Spaß haben durfte. Nach und nach baute ich immer mehr meine Hände mit ein – mit immer mehr Erfolg. Natürlich wurde es auch mal etwas gröber, aber da musste auch ich durch. Noch dazu hatte ich die erste Zeit ja nur eine Hand zur Verfügung. Die nicht operierte war also zerkratzt ohne Ende. Jedes Mal, wenn Ulla zu grob wurde, sagte ich, wie vorher auch, laut “Nein”, setzte sie weiter von mir weg und schenkte ihr für ein paar Sekunden keine Beachtung mehr – und ich hatte Erfolg! Es wurde besser! Meine Mühe zahlte sich aus!
Meine Strategie ist auf keinen Fall ein Patentrezept. Jedes Tier agiert und reagiert anders. Aber bei Ulla hat es sich gelohnt. Natürlich testet Ulla ab und an mal wieder ihre Grenzen. Würde sie das nicht tun, wäre sie nicht unsere Ulla. Aber ein lautes “Nein” und sie weiß Bescheid. Allerdings sollte man sie nicht zu sehr mit ihrer Nase vor sein Gesicht halten, wenn man ebendiese noch behalten möchte. Da kennt Ulla – noch immer – kein Pardon. Trotzdem merkt man, dass ich es war, die sich mit ihr so viel beschäftigt hat. Sie kommt zu mir zum kuscheln, schläft auf meinem Schoß. Wenn ich sie rufe, folgt sie mir auf Schritt und Tritt. Sie ist meine Ulla und ich ihr Zweibeiner. Bei meinem Mann ist das nicht so. Ich denke, die beiden haben sozusagen mit der Zeit gelernt, sich zu akzeptieren, aber ganz so zahm wie bei mir ist sie bei ihm nicht.
Wie man sieht, lernt man nie aus. Auch dann nicht, wenn man denkt, man ist jeder Herausforderung gewachsen. Aber mit etwas Geduld und guten Nerven kann man alles schaffen, wenn man denn nur will. Auch wenn mein Mann nicht so einen Draht zu Nebula hat wie ich, war ihm dennoch klar, dass wir sie nicht mehr weg geben können. Dazu hing mein Herz schon zu sehr an ihr. Natürlich blieb Ulla bei uns. Und wie hat die Vermittlerin einmal zu mir gesagt? “Oft sind es am Ende gerade die ‘schwierigen’ Tiere, die ein etwas größeres Stück von unserem Herzen stehlen…”. Ich denke, sie hatte Recht…
Hui… was ein langer Beitrag… Aber genug von unserer Zwickliesl. In zwei Wochen stelle ich Dir ihren Bruder Yondu vor. Sei gespannt…
PS: Genäht wurden musste natürlich keiner von uns 😉
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